Gestern trafen wir uns wieder zum Erfahrungsaustausch. Im Mittelpunkt stand das Thema „Kommunikation mit Gefühlen und Bedürfnissen – besonders bei Menschen mit Demenz“.
Eine Szene, die nachhallt
Eine Teilnehmerin schilderte folgende Beobachtung:
Zwei Bewohner*innen sitzen zusammen. Die eine sagt: „Ich will ins Bett.“ Der andere erwidert erst nach einer Pause: „Dann musst du jemanden rufen … kannst aber lange rufen, weil keiner da ist.“
Was zunächst nüchtern klingt, wirft viele Fragen auf. Welche Bedürfnisse wurden hier sichtbar? Fühlten sich beide vielleicht unsicher, überfordert, einsam? Wie schnell interpretieren wir eine Situation aus unserer eigenen Geschichte heraus, ohne wirklich zu wissen, was in den Köpfen der WG-Bewohner*innen vorgeht?
Erkenntnisse des Abends
- Biografiewissen ist Gold wert
Eine WG-Bewohnerin, die unvermittelt ihren früheren Beruf vergaß, fand durch einen kurzen Hinweis wieder Ruhe. Wer Lebensgeschichten kennt, kann Orientierung und Halt bieten. - Grenzen wahren
Belastende Situationen dürfen vermieden oder verlassen werden. Selbstfürsorge ist Voraussetzung, um anderen verlässlich beizustehen. - Zeit als Geschenk
Vertrauen entsteht nicht durch große Gesten, sondern durch gemeinsame, oft unspektakuläre Momente: Zuhören, Kartoffeln schälen, einfach da sein. „Wenn ich da bin, beschere ich ihnen eine gute Zeit.“ - Vertrauen lässt sich nicht erzwingen
Es wächst, wenn Menschen spüren, dass sie so sein dürfen, wie sie sind, und dass jemand sie wirklich mag.
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